Da der Schlaf ein wesentliches Grundbedürfnis des Menschen ist, ist die Liste der körperlichen und seelischen Folgen bei anhaltendem Schlafmangel entsprechend lang. Um zu verdeutlichen wie Schlafstörungen den Alltag bzw. den gesundheitszustand- insbesondere auf lange Sicht – beeinträchtigen, werde ich hier einige tiefergehende Beispiele aufführen.
- Übergewicht durch Schlafmangel
- Erhöhtes Depressionsrisiko bei Schlechtschläfern
- Binsenweisheit: Schlafstörungen machen dumm
- Tödliche Autounfälle durch Müdigkeit
- weniger Melatonin = geschwächtes Immunsystem (erhöhte Infektionsgefahr)
Wird der natürliche Rhytmus von Wachen und Schlafen längerfristig gestört, geraten Muskelspannung, Atmung, Herzschlag, Blutdruck, Körpertemperatur, Hormone, Stoffwechsel und andere wichtige Körperfunktionen wie die Sinneswahrnehmung durcheinander.
Übergewicht durch Schlafmangel
Eine Schlaflose Nacht beeinträchtigt den Stoffwechsel des Menschen in etwa so wie Diabetes Typ 2. Die Zellen reagieren dabei mit einer geschwächten Insulinempfindlichkeit und nehmen folglich weniger Zucker aus dem Blut auf. Das daraus resultierende Energiedefizit wird durch einen erhöhten Kalorienbedarf ausgeglichen. Das äußert sich in einem gesteigerten Hungergefühl, insbesondere auf glukosereiche Lebensmittel, um den Blutzuckerspiegel möglichst stabil zu halten. Auf lange Sicht führt eine solche Insulinresistenz zu Übergewicht, Diabetes und in weiterer Folge zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Zusätzlich reagiert unser Geruchssin auf Schlafmangel besonders empfindlich. Die Gehirnaktivität in den Arealen die für den Geruch verantwortlich sind steigen nachweislich an und signalisieren dem Körper bei Geruchsempfindungen einen erhöhten Appetit. Wer Heißhungerattacken, Übergewicht und Schlimmeren entgegentreten will, sollte ausreichend und erholsam Schlafen.
Erhöhtes Depressionsrisiko bei Schlechtschläfern
Eine Studie der Columbia University, bei der die Schlafgewohnheiten sowie evt. vorhandene Depressionen und Selbstmordgedanken von 16.000 teilnehmenden Jugendlichen untersucht wurde macht deutlich, dass Menschen nach zu wenig Schlaf empfänglicher für negative Gedanken sind und diese auch länger mit sich rumtragen. Dadurch wird das Lösen von negativen Reizen die im Alltag entstehen erschwert und sorgt auf lange Sicht zu einer erhöhten Anfälligkeit für verschiedene Arten von psychologischen Störungen wie Angst oder Depression. Menschen mit ausreichend Nachtschlaf hatten hingegen keine Probleme, belastende Eindrücke aus ihren Gedanken zu verbannen.
Durch die Studie wurde – zumindest bei Jugendlichen – auch die Zunahme der Selbstmordgedanken (um 20%) bei anhaltendem Schlafmangel sehr deutlich. Diese Erkenntnis ging ebenfalls aus der erhöhten Empfänglichkeit für negative Reize einher und zeigte, dass auch der soziale Kontakt innerhalb der Gruppe gestört war.
Tödliche Autounfälle durch Müdigkeit
Besonders nach einer durchwachten Nacht, in den frühen Morgenstunden sowie in monotonen Situationen wie auf der Autobahn drohe Sekundenschlaf. Schläfrigkeit wirke zudem beim Autofahren ähnlich wie Alkohol. Schon 17 Stunden ohne Schlaf beeinträchtigten das Reaktionsvermögen wie 0,5 Promille, 22 Stunden ohne Schlaf wie 1,0 Promille Alkohol im Blut.
Binsenweisheit: Schlafstörungen machen dumm
Wenn das Wachbewusstsein abgeschaltet ist, also wenn wir Schlafen, verarbeitet unser Gehirn zurückliegende Ereignisse. So werden wichtige Tagesinhalte verfestigt, wesentliche Daten werden aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis übertragen, neue Informationen werden mit alten Eindrücken verknüpft und neue Bewegungsabläufe werden in das Unterbewusste aufgenommen. Überflüssige Informationen, sogenannter “Synapsen-Müll” oder auch störendes Gedankenrauschen wird in einem komplexen Verarbeitungsprozess verworfen und besonders starke oder wichtige Kontakte werden auf neuronaler Ebene ausgebaut. Nicht zuletzt deshalb lernen wir im Schlaf dazu, sind sich moderne Schlafforscher einig.
Fällt der Schlaf aus oder wird der wichtige, nächtliche Verarbeitungsprozess infolge von Schlafstörungen behindert, so folgen auf lange Sicht eine deutlich schlechtere Auffassungsgabe, eine geringere Erinnerungs- und Lernfähigkeit sowie Konzentrationsschwierigkeiten und ein fehlender Fokus für wesentliche Aufgaben. Ärzte sprechen dann von Gedächtnisproblemen oder Hirnleistungsschwächen mit enormen Ausmaßen auf die Produktivität.
Lernbereitschaft, Kreativität-
Schlafmangel schadet Körperabwehr
Anhaltender Schlafmangel, aber auch eine geringe Schlafqualität führen erwiesenermaßen zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Erkältungen oder grippalen Infekten. Das beweisen Psychologen und Schlafmediziner nach aktuellen medizinischen Tests und Schlaflaborbeobachtungen, bei denen Freiwillige absichtlich mit typischen Erkältungsviren attackiert wurden. Die Probanden mit wenig Schlaf wiesen gegenüber der Kontrollgruppe mit ausreichend Schlaf ein vierfach höheres Infektionsrisiko auf.
Die genauen “Abläufe” hierfür sind zwar noch nicht ausreichend erforscht, erste Erkenntnisse lassen jedoch auf die Beeinflussung der Hormone und Gene infolge des Schlafmangels schließen. Insgesamt waren in dem Versuch bereits nach sieben Nächten mit maximal sech Stunden Schlaf 711 Gene negativ beeinflusst. Das macht 3,1 Prozent der etwa 23.000 Gene aus, die in der menschlichen Erbsubstanz stecken. Betroffen waren vor allem Gene, die einem Tag-Nacht-Rhytmus unterliegen und für Entzündungen, Immun- und Stressreaktionen verantwortlich sind.
Aber auch Gene die den Stoffwechsel steuern werden beeinflusst und führen auf lange Sicht – wie bereits beschrieben – zu Übergewicht.